• Kariesprophylaktische Gesichtspunkte

Die Bedeutung von Zahnfehlstellungen bei der Kariesgenese wird in der Literatur unterschiedlich bewertet, wobei der überwiegende Teil der Autoren keinen gesicherten Zusammenhang zwischen Karies und Fehlbildungen fand.
Eigene Untersuchungen ergaben beim Vergleich der DMF-S-Mittelwerte für obere und untere Frontzähne bei unterschiedlichen Platzverhältnissen keine Abhängigkeit des Erhaltungszustandes der Unterkieferincisivi von deren Stellung. Anders verhielt es sich jedoch bei den Oberkieferfrontzähnen: hier stieg mit Zunahme des Platzmangels auch der DMF-S-Mittelwert an. Dies galt sowohl für die behandelten als auch für die unbehandelten Fälle. Es ist davon auszugehen, dass der Faktor Zahnstellung bei der Genese von Erkrankungen der Zahnhartsubstanz, vor allem in Kombination mit einer unzureichenden Mundhygiene, an Bedeutung gewinnt. Die physiologische Selbstreinigung der Zähne ist, insbesondere bei ausgeprägteren Engständen, beeinträchtigt.

• Parodontalprophylaktische Gesichtspunkte

Bestimmte Fehlbildungen spielen bei der Entstehung von parodontalen Erkrankungen eine Rolle, deren Wertigkeit jedoch bei dem stets multifaktoriellen Geschehen nicht ohne weiteres zu ermitteln ist. Folgende kieferorthopädische Einzelsymptome werden im Zusammenhang mit marginaler Entzündung, Erhöhung der Zahnbeweglichkeit und Knochenresorptionen besonders häufig genannt: offener Biß, tiefer Biß mit Einbiß in die Gaumenschleimhaut, Engstand in der Unterkieferfront, frontaler Kreuzbiß, Eckzahntief- und –außenstand und mangelnde Eckzahnführung. Fasst man die zahlreichen publizierten Untersuchungsergebnisse zusammen, so zeigt sich, dass zumindest ein bestimmter Teil der Zahnfehlstellungen und Kieferfehllagen aus parodontalprophylaktischen Gesichtspunkten kieferorthopädisch zu behandeln wäre

• Funktionelle Gesichtspunkte

Gestörter Lippenschluss, Zungen- und Lippenfehlfunktion, viszerales Schlucken und Mundatmung stellen ebenso wie Zwangsbisse oftmals schon in früher Kindheit eine eindeutige Behandlungsindikation dar, da die Gebissentwicklung durch diese Störungen ungünstig beeinflusst wird. Nach Meinung verschiedener Autoren sind okklusale Interferenzen ein mitverantwortlicher Faktor für das Knirschen und Pressen und somit eine der Ursachen für die verschiedenen Formen der Myoarthropathien. Man nimmt jedoch an, dass bei diesem multikausalen Geschehen psychische Faktoren eine wesentliche Rolle spielen. In eigenen Untersuchungen gingen wir der Frage nach, ob Zusammenhänge zwischen Balanceseitenkontakten und Kiefergelenksknacken nachzuweisen waren. Wir konnten dies weder bei der behandelten noch bei der unbehandelten Gruppe bestätigen.

• Ästhetische Gesichtspunkte

Beurteilung der Ästhetik eines Gesichtes: Wie schon von Leonardo da Vinci und Dürer in ihrer Proportionslehre, wurde bislang mehrfach versucht, eine einheitliche Basis zur Charakterisierung eines „schönen“ Gesichtes zu finden. Metrisch ist dies wohl deshalb kaum möglich, da der Gesamteindruck eines Gesichtes nicht summativ aus den Einzelwerten der Profil- oder Enface-Aufnahmen zustande kommt. Vielmehr wird der Gesamteindruck wesentlich durch einzelne Parameter, die sich wechselseitig beeinflussen können, bestimmt. Weiterhin bestehen signifikante Unterschiede in der Beurteilung eines Gesichtes bei der Betrachtung von vorne, schräg von der Seite oder von der reinen Seitenansicht (Profil).

Zur Profilbewertung: In der Kieferorthopädie wird zwischen Rück-, Mittelwert- und Vorgesichtern unterschieden. Als anerkanntes Behandlungsziel gilt, der Individualität eines Gesichtes insoweit Rechnung zu tragen, dass der ursprüngliche Gesichtstyp (mittleres Gesichtsdrittel) durch die Behandlung weitgehend unverändert bleibt, jedoch ein gerader Profilverlauf anzustreben ist. Für das Profil von übergeordneter Bedeutung sind nach übereinstimmender Meinung in der Literatur: die Lippentreppe, die vertikale Dimension des Untergesichts, vor allem wenn sie zum offenen Biß tendiert, die Achsenneigung der Oberkieferfrontzähne und die Lage des Unterkiefers. Die sagittale Position des Unterkiefers und die Ausprägung des Kinns wird in der Literatur mit bestimmten Eigenschaften der Persönlichkeit, z.B. die Progenie mit Kraft und Dominanzstreben, in Verbindung gebracht. Diese Annahmen konnten wir in unseren Untersuchungen nicht bestätigen, da keine der extremen Fehllagen des Unterkiefers mit persönlichkeitsrelevanten Faktoren bei der Eingrenzung mit dem Freiburger Persönlichkeitsinventar überzufällig korreliert war.

Zur En-face-Bewertung: Naturgemäß beschränken sich die fachspezifischen Untersuchungen auf die Bedeutung der Mundregion, wobei hier der Geschlossenheit und Symmetrie der Zahnreihen und dem Verlauf der Incisallinie die größte Bedeutung zugerechnet wird. Als am meisten störend wird der Eckzahntief- und -aussenstand eines oberen Eckzahnes, die Protrusion der Oberkieferfrontzähne sowie jede Asymmetrie im Frontzahnbereich, das Diastema mediale und Engstände stärkeren Ausmaßes, bewertet. Attraktivität stellt bereits sehr früh im Leben eines Individuums ein signifikantes persönliches Charakteristikum dar, welches zu unterschiedlicher Beurteilung durch die Lehrer in der Schule – attraktive Kinder werden allgemein besser eingestuft – und bei ausgeprägten Fehlbildungen zu Spott und Hänseleien durch die Klassenkameraden führen kann.

Ihr Prof. Dr. Rolf Koch

Prof. Dr. Rolf Koch l Dr. Valerie Weiler l Fachzahnärzte für Kieferorthopädie
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